Kirsten Boie Bücher

Leseprobe

Skogland

Jarven soll das Volk von Skogland täuschen
Aus: Kirsten Boie, Skogland

Der Regisseur lächelte Jarven zu. "Wunderbar!", sagte er. "Ein Mädchen, dem wir erst noch Manieren hätten beibringen müssen, wäre für die Rolle von vorn herein nicht infrage gekommen. Aber das ist für dich ja offenbar kein Problem! Du musst eine gute Erziehung genossen haben."
Jarven nickte. Einen Augenblick überlegte sie, ob sie ihm erzählen sollte, dass genau das schließlich Mamas Beruf war; es ging ihn aber nichts an.
"Jarven!", sagte der Regisseur, und jetzt beugte er sich über den Tisch zu ihr hin. "Du bist sicher gespannt, was wir heute an diesem strahlend schönen Tag mit dir vorhaben."
Jarven nickte wieder. Sie fühlte sich sehr allein.
"Nun, Hilgard und Tjarks hier haben dir ja schon erklärt, worum es geht. Du sollst an diesem Wochenende zeigen, ob das Zeug in dir steckt, glaubwürdig eine Prinzessin zu spielen", sagte der Regisseur. "Und sie haben dir auch schon erklärt, dass uns dafür deine Ausstrahlung wichtiger ist als die Frage, ob du auswendig lernen oder mit Betonung sprechen kannst. Wir hätten natürlich einfach ein weiteres Casting mit dir machen können. Aber was hätte uns das gebracht? Das ist ja doch alles sehr künstlich."
"Ja", murmelte Jarven. Sie verstand nicht, wovon er sprach. Schließlich war das doch, weswegen sie hergekommen war: Ein weiteres Casting.
"Nun hast du aber großes Glück, Jarven", sagte der Regisseur und sein Lächeln war so strahlend, dass Jarven plötzlich dachte, er müsste noch üben, glaubwürdiger auszusehen, "dass ich hier in Skogland das Königshaus kenne. Ein Freund des Königshauses bin, Jarven."
Noch immer lächelte er. "Darum also durften wir auch in diesem wunderschönen Gutshof übernachten. Und darum darfst du, Jarven, an diesem Wochenende", er machte eine kurze Pause, "so tun, als wärest du die Prinzessin von Skogland."
Er schwieg.
Jarven starrte ihn an. "Wie?", fragte sie unsicher. Hatten sie sie also doch gehört heute morgen, als sie in ihrem Zimmer so kindisch gerufen hatte, sie wäre die Prinzessin von Skogland? Gab es verborgene Kameras in den Räumen, Mikrofone? Wie dumm von ihr, nicht damit zu rechnen! Dies war schließlich ein Schloss, fast so etwas wie ein Schloss.
"Ja, wie!", sagte der Regisseur. Sein Lächeln machte Jarven unsicher. "Du hast die Chance, Jarven, die einmalige Chance, morgen die Prinzessin bei einer Feierlichkeit zu vertreten. Du wirst so tun, als wärest du die Prinzessin von Skogland, einen ganzen Tag lang. Ein überzeugenderes Casting kann es nicht geben. Wenn es dir gelingt, das Volk von Skogland zu täuschen - dann wissen wir wirklich, dass du das Zeug für die Rolle einer Prinzessin hast."
Jarven schüttelte wild den Kopf. "Aber", flüsterte sie. "Das geht doch nicht! Das ist doch Betrug! Das kann ich auch gar nicht!"
Der Regisseur lachte. "Ob du es kannst, wollen wir ja gerade herausfinden, kleine Jarven", sagte er. "Und Betrug ist es keineswegs! Du spielst deine Rolle mit der Zustimmung des Königshauses, mit der Zustimmung der Prinzessin, die froh und dankbar ist, einmal einer solchen Verpflichtung in der Öffentlichkeit zu entgehen."
"Aber die Leute!", sagte Jarven. "Die glauben doch dann, dass ich wirklich die Prinzessin bin! Das ist doch gelogen!"

Ausgerechnet die schüchterne Jarven kommt bei einem Film-Casting in die letzte Runde. Die endgültige Entscheidung über die Hauptrolle soll in Skogland fallen. Doch die Ereignisse überstürzen sich und Jarven erkennt, dass sie nur Spielball in einem heimtückischen Plan ist. Ob sie Malena, der Prinzessin, und dem Jungen Joas helfen kann, die Verschwörung zu zerschlagen? Es geht um Leben und Tod …

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